EPD für Bauprodukte und Gebäudetechnik: Was Hersteller wissen müssen

Dr. Johannes Weibl26. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine EPD (Environmental Product Declaration, Umweltproduktdeklaration) beschreibt die Umweltwirkungen eines Produkts über seinen Lebensweg. Für Bauprodukte gilt die europäische Norm EN 15804.
  • Anders als ein Product Carbon Footprint erfasst eine EPD nicht nur das Treibhauspotenzial, sondern eine ganze Reihe von Umweltindikatoren. Sie wird von einem unabhängigen Dritten verifiziert und über einen Programmbetreiber veröffentlicht.
  • Der Bedarf steigt: Gebäudeökobilanzen für Zertifizierungen wie DGNB und QNG, die EU-Gebäuderichtlinie und die neue Bauproduktenverordnung machen Umweltdaten von Bauprodukten zunehmend zur Voraussetzung.
  • Das betrifft längst nicht mehr nur Baustoffe, sondern auch Hersteller von Gebäudetechnik wie Heizung, Lüftung, Klima und Elektro.

Wer Produkte für Gebäude herstellt, wird immer häufiger nach einer EPD gefragt: von Planern, die eine Gebäudeökobilanz rechnen, von Bauherren, die eine Zertifizierung anstreben, und in Ausschreibungen. Dieser Beitrag erklärt, was eine EPD ist, wie sie sich vom Product Carbon Footprint (PCF) unterscheidet, warum sie im nachhaltigen Bauen an Bedeutung gewinnt und wie sie entsteht.

Was ist eine EPD?

Eine EPD ist eine Umweltdeklaration vom Typ III nach ISO 14025. Sie stellt die Ergebnisse einer Ökobilanz in einem einheitlichen Format dar und macht Produkte so besser vergleichbar. Für Bauprodukte legt die EN 15804 fest, welche Lebenszyklusphasen und Indikatoren eine EPD enthält und wie gerechnet wird. Welche Normen hier zusammenspielen, zeigt unser Beitrag zu den relevanten Normen für die Bilanzierung von Umweltauswirkungen.

Drei Merkmale unterscheiden eine EPD von einer einfachen Herstellerangabe:

  • Produktkategorieregeln (PCR): Für jede Produktgruppe gibt es Regeln, die festlegen, wie genau gerechnet wird. So werden EPDs derselben Produktgruppe besser vergleichbar.
  • Unabhängige Verifizierung: Bevor eine EPD veröffentlicht wird, prüft ein unabhängiger Dritter Berechnung und Hintergrundbericht.
  • Programmbetreiber: Veröffentlicht wird die EPD über einen Programmbetreiber, in Deutschland etwa das Institut Bauen und Umwelt (IBU). Sie ist in der Regel fünf Jahre gültig.

EPD und PCF: Wo liegt der Unterschied?

Ein PCF beantwortet eine Frage: Wie viel Treibhausgas verursacht ein Produkt? Eine EPD geht weiter. Sie enthält neben dem Treibhauspotenzial weitere Umweltindikatoren, zum Beispiel zu Versauerung, Überdüngung, Ressourcen- und Wasserverbrauch. Außerdem ist eine EPD zwingend extern verifiziert, während das bei einem PCF nach ISO 14067 optional ist, und folgt für Bauprodukte einem festen Aufbau nach Lebenszyklusmodulen.

Die Grundlage ist bei beiden dieselbe: vollständige Produktdaten mit Stückliste, Materialien, Gewichten, Energieverbräuchen und Vorketten. Wer bereits einen belastbaren PCF hat, hat damit einen großen Teil der Sachbilanz für eine EPD. Hinzu kommen Szenarien für Nutzung und Lebensende, die PCR-spezifischen Regeln etwa zu Abschneidekriterien und Allokation sowie Hintergrunddaten, die alle Indikatoren nach EN 15804+A2 abdecken, nicht nur das Treibhauspotenzial. Wie weit eine Bilanz über den Lebensweg reicht, erklärt unser Beitrag Cradle-to-Gate vs. Cradle-to-Grave.

Die Lebenszyklusmodule nach EN 15804

EN 15804 gliedert den Lebensweg eines Bauprodukts in Module:

  • A1–A3 Herstellung: Rohstoffe, Transporte zum Werk und Produktion
  • A4–A5 Errichtung: Transport zur Baustelle und Einbau
  • B1–B7 Nutzung: etwa Instandhaltung, Austausch sowie Energie- und Wasserverbrauch im Betrieb
  • C1–C4 Lebensende: Rückbau, Transport, Abfallbehandlung und Beseitigung
  • D: Gutschriften und Lasten außerhalb der Systemgrenze, etwa durch Recycling

Seit der Fassung EN 15804+A2 müssen EPDs neben der Herstellung (A1–A3) grundsätzlich auch das Lebensende (C1–C4) und Modul D ausweisen. Ausnahmen regelt die Norm.

Warum EPDs im nachhaltigen Bauen wichtiger werden

Gebäudeökobilanzen und Zertifizierungen: Für Zertifizierungen wie DGNB oder das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) wird eine Ökobilanz des Gebäudes erstellt. Dafür brauchen Planer Umweltdaten der verbauten Produkte. Liegt keine produktspezifische EPD vor, wird mit generischen Datensätzen gerechnet, etwa aus der ÖKOBAUDAT des Bundes, die teils mit Sicherheitszuschlägen versehen sind. Eine eigene EPD bildet Ihr Produkt dagegen mit seinen tatsächlichen Werten ab.

EU-Gebäuderichtlinie (EPBD): Die überarbeitete Richtlinie (EU) 2024/1275 verlangt, das Treibhauspotenzial neuer Gebäude über den gesamten Lebenszyklus zu berechnen und offenzulegen: ab 2028 für Neubauten mit mehr als 1.000 m² Nutzfläche, ab 2030 für alle Neubauten. In Deutschland setzt das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das das GEG ablöst, diese Pflicht um.

Neue Bauproduktenverordnung: Die Verordnung (EU) 2024/3110 gilt seit dem 8. Januar 2026. Sie macht Umweltangaben, beginnend mit dem Treibhauspotenzial, schrittweise zum Teil der Leistungs- und Konformitätserklärung, sobald die jeweiligen harmonisierten Spezifikationen dafür vorliegen. Die Indikatoren orientieren sich an der EN 15804.

Ausschreibungen: Öffentliche und private Bauherren fragen in Ausschreibungen zunehmend nach EPDs. Wer eine vorlegen kann, hat dort einen Vorteil.

Gebäudetechnik: EPDs auch für Heizung, Lüftung, Klima und Elektro

Lange standen vor allem Baustoffe wie Beton, Stahl, Dämmstoffe oder Fenster im Fokus. Mit Gebäudeökobilanzen rückt nun auch die technische Gebäudeausrüstung (TGA) in den Blick: Wärmepumpen, Lüftungsgeräte, Klimaanlagen, Heizkörper, Leuchten oder Schaltanlagen. Viele Hersteller in diesem Bereich veröffentlichen bereits EPDs. Für elektrische und elektronische Produkte ist neben EN 15804 oft auch das Programm PEP ecopassport nach EN 50693 relevant, vor allem für den französischen Markt.

Für TGA-Hersteller ist die EPD aufwendiger als für viele Baustoffe:

  • Komplexe Produkte: Ein Lüftungsgerät oder eine Wärmepumpe besteht aus Hunderten Komponenten, von Gehäuse und Wärmetauscher bis zu Elektronik und Kältemittel.
  • Viele Varianten: Baugrößen, Leistungsklassen und Ausstattungen vervielfachen den Aufwand, wenn jede Variante einzeln gerechnet wird.
  • Nutzungsphase: Bei energieverbrauchenden Produkten spielen Betrieb, Wartung und Austausch eine große Rolle und müssen über Szenarien abgebildet werden.
  • Lückenhafte Lieferantendaten: Für viele Kaufteile fehlen Materialangaben, Gewichte oder Emissionswerte.

So entsteht eine EPD

  1. Programmbetreiber und PCR wählen: Sie legen fest, nach welchen Regeln gerechnet und wo veröffentlicht wird.
  2. Daten erheben: Stückliste, Materialien und Gewichte, Energie und Prozesse in der Produktion, Transporte, Verpackung sowie Szenarien für Nutzung und Lebensende.
  3. Ökobilanz berechnen: nach EN 15804 und PCR, mit allen geforderten Modulen und Indikatoren.
  4. Hintergrundbericht und EPD-Dokument erstellen.
  5. Unabhängig verifizieren lassen.
  6. Veröffentlichen: beim Programmbetreiber, auf Wunsch auch in Datenbanken, die Planer für Gebäudeökobilanzen nutzen.

Telusio Einschätzung

Wie beim PCF liegt die größte Hürde selten in der Berechnung selbst, sondern in den Daten davor: unvollständige Stücklisten, fehlende Materialangaben und Lieferantendaten, viele Varianten. Genau hier setzen wir an. Unsere Datenaufbereitung und Berechnung für Product Carbon Footprints schafft die Datenbasis, auf der auch eine EPD aufbaut.

Sie planen eine EPD für Ihre Bauprodukte oder Ihre Gebäudetechnik? Sprechen Sie uns an, wir unterstützen Sie gern bei der Umsetzung.

Dr. Johannes Weibl, Geschäftsführer von Telusio
Dr. Johannes Weibl · Geschäftsführer

Ihr Kunde fragt nach einem PCF?Lassen Sie uns gerne sprechen.

Entdecken Sie den einfachsten Weg zu auditfähigen PCFs – KI-gestützt und expertengeprüft.

Erstgespräch vereinbaren