
Dr. Johannes Weibl25. Oktober 2026 · 5 Min. LesezeitStand: 25.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Anfrage kommt oft per E-Mail aus dem Einkauf: „Bitte liefern Sie uns bis Quartalsende den Product Carbon Footprint für folgende Artikel – gemäß Catena-X PCF Rulebook.“ Oder: „…nach TfS PCF Guideline.“ Oder: „…PACT-konform.“ Für viele Hersteller ist das der erste Kontakt mit diesen Regelwerken. Dieser Beitrag erklärt, was hinter den drei Standards steckt, worin sie sich unterscheiden und wie Sie eine solche Anfrage strukturiert beantworten.
Die Grundlage jedes PCF sind die ISO 14067 und der Product Standard des GHG Protocol. Beide lassen jedoch Spielräume, etwa bei der Systemgrenze, bei der Aufteilung von Emissionen auf mehrere Produkte (Allokation), bei Abschneidekriterien oder bei der Bilanzierung von Strom und Recyclingmaterial. Zwei korrekt nach ISO 14067 berechnete PCFs können deshalb zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
Für einen Kunden, der die PCFs Hunderter Lieferanten in seine eigene Bilanz übernimmt, ist das ein Problem. Branchenstandards schließen diese Spielräume: Sie legen verbindliche Rechenregeln fest und definieren ein einheitliches Datenformat für den Austausch.
Was es ist: Catena-X ist ein Datenökosystem der Automobilindustrie, an dem Hersteller, Zulieferer und Softwareanbieter beteiligt sind. Das PCF Rulebook regelt, wie Zulieferer PCFs für Automobilkomponenten berechnen und austauschen.
Aktueller Stand: Gültig ist seit September 2025 die vierte Fassung. Grundlage bleibt die ISO 14067; das Rulebook legt aber fest, wie deren Wahlmöglichkeiten in der Automobillieferkette einheitlich auszufüllen sind.
Für wen relevant: Zulieferer der Automobilindustrie, auch auf tieferen Ebenen der Lieferkette, etwa Hersteller von Kunststoff- und Metallteilen, Elektronik oder Antriebskomponenten.
Was es ist: Together for Sustainability (TfS) ist eine Initiative großer Chemieunternehmen für nachhaltige Lieferketten. Die TfS PCF Guideline regelt die PCF-Berechnung für chemische Produkte und Vorprodukte.
Aktueller Stand: Version 3.0 vom Dezember 2024.
Für wen relevant: Lieferanten von Chemieunternehmen, also Hersteller von Rohstoffen, Zwischenprodukten, Additiven oder Verpackungen.
Was es ist: Die Partnership for Carbon Transparency (PACT) wird vom World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) getragen. Sie entwickelt eine branchenübergreifende Methodik und technische Spezifikationen für den Austausch von PCF-Daten. Die Methodik hieß früher Pathfinder Framework.
Aktueller Stand: Die PACT Methodology V3 wurde am 30. April 2025 veröffentlicht und gilt für alle neuen PCF-Berechnungen. Nach Version 2 berechnete PCFs dürfen grundsätzlich noch drei Jahre ab Berechnung verwendet werden.
Für wen relevant: Unternehmen aller Branchen, insbesondere wenn Kunden PCFs über Softwareplattformen anfordern oder keinen branchenspezifischen Standard vorgeben.
Weil die drei Regelwerke aufeinander abgestimmt sind, lässt sich ein sauber aufgebauter PCF in der Regel mit überschaubarem Aufwand an einen weiteren Standard anpassen. Die Unterschiede liegen vor allem im Detail, etwa bei Allokation, Strombilanzierung oder Datenformat.
Catena-X und TfS haben gemeinsam ein Verifizierungsrahmenwerk mit drei Vertrauensstufen eingeführt. Auf der mittleren Stufe weist ein Unternehmen durch eine unabhängige Zertifizierung nach, dass es PCFs nach einem anerkannten Branchenstandard berechnen kann. Ob und auf welcher Stufe Ihr Kunde eine Prüfung verlangt, sollten Sie früh klären. Mehr zur Prüfung lesen Sie in unserem Beitrag zur Verifizierung nach ISO 14067 und GHG Protocol.
1. Rückfragen klären
2. Datenbasis prüfen
3. Berechnen und dokumentieren
Berechnen Sie den PCF nach den Regeln des geforderten Standards und dokumentieren Sie Systemgrenze, Abschneidekriterien, Allokation und Datenquellen nachvollziehbar. Weisen Sie – auch wenn es noch freiwillig ist – den Primärdatenanteil aus: Kunden fragen zunehmend danach, und spätestens nach der Catena-X-Übergangsphase wird es Pflicht.
4. Skalierung mitdenken
Selten bleibt es bei einem Produkt. Wer den ersten PCF so aufbaut, dass sich Varianten und weitere Artikel mit wenig Zusatzaufwand berechnen lassen, ist für die nächste Anfrage vorbereitet.
Catena-X, TfS und PACT machen PCFs vergleichbarer – und erhöhen gleichzeitig die Anforderungen an die Datenbasis. Mit Primärdatenanteil und Datenqualitätsbewertung wird sichtbar, wie viel eines PCF auf eigenen Daten beruht und wie viel auf Annahmen.
Für viele Hersteller ist das die eigentliche Hürde: In unserer PCF-Studie 2026 liegt die Rücklaufquote von Lieferantendaten bei nur rund 16 %, und fehlende Lieferanten- und Stammdaten zählen zu den größten Herausforderungen. Wer jetzt eine Kundenanfrage auf dem Tisch hat, sollte deshalb nicht bei der Formel ansetzen, sondern bei den Produktdaten.
Ihr Kunde fordert einen PCF nach einem dieser Standards? Sprechen Sie uns an – wir zeigen Ihnen, wie Sie auch bei unvollständigen Produktdaten zu einem prüffähigen Product Carbon Footprint kommen.

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